Frühlingsinsel der Illusionen

Auswanderabenteur
Leseprobe
und Hörauszug

 

…..Im Erdgeschoss gibt es zwei Räume ohne Lichteinfall.

Der eine hat ein Fenster ins Haus hinein, der andere ist eine Art

Verschlag unter der Treppe. Das Haus ist, so wie es konstruiert ist,

sicher gut gegen die Hitze des Sommers geschützt. Es ist kalt in den

Räumen des unteren Bereiches. Das englische Pärchen verabschiedet

sich fröhlich. Manolo schaut Mona fragend an.
»Mir gefällt es sehr gut. Es wäre von der Lage, dem Preis und den Zimmern hier sehr

passend. Nur der Pool fehlt. Ich muss mit Rafael darüber reden.«
»Rafael?«
»Das ist mein Freund. Ich melde mich umgehend bei Ihnen.«
»Du kannst ruhig Du sagen.« Manolo fährt Mona zum nächsten Treffpunkt. Francoise

wartet schon. Es ist dreißig Minuten über der Zeit.
»Tut mir leid«, prustet Mona in die heiße Mittagsluft. »Ich hatte kurzfristig eine

Hausbesichtigung in El Tablero.«

Francoise nimmt sie in den Arm, küsst sie rechts und links auf die Wange und drückt sie an ihren

großen Busen. »Komm erst mal runter. Es ist hier nicht so wild, wenn man sich verspätet.

Alle tun das, und niemand ist darüber sauer.« Zärtlich streicht sie eine Haarsträhne aus Monas Gesicht.

»Komm, steig ein!«
»Wo fahren wir hin?«
»An den Strand.«
»Aber wir wollten doch Häuser ansehen.«
»Das können wir danach immer noch tun.«
»Ich habe nichts mit für den Strand.«
»Egal, ich habe alles.«
Mona fügt sich. Zu lange hat sie schon auf das Strandvergnügen verzichtet.

Francoise fährt auf einen großen Parkplatz. Von dort laufen sie noch ein paar Minuten über die Strandpromenade und dann direkt in die weiten Dünen von Maspalomas hinein. Francoise hat Mona ein Tuch für den Kopf gegeben. Sie selbst trägt eine große Tasche und einen Sonnenschirm. Der Sand ist kochend heiß. Mona hat Mühe, den kraftvollen Schritten der großen Frau durch den Sand zu folgen.
»Ich kann nicht mehr«, japst sie völlig verschwitzt.
»Wir sind gleich da, nur noch zwei Dünen, dann können wir uns niederlegen.«
Mona war noch niemals so tief in die Dünen von Maspalomas gewandert. Sie ist überrascht. Immer wieder sieht sie nackte Paare, teils schlafend, teils in eindeutigen Posen. Pikiert schaut sie weg. Endlich macht Francoise halt.

»In dieser Senke haben wir unsere Ruhe«, sagt sie. Von hier aus ist tatsächlich nichts weiter zu sehen als Sandberge, der dunstige Himmel und die verschleierte Sonne. Es ist heiß. Kein Windchen weht hier. »Francoise, ich brauche etwas zu trinken, ich falle sonst um.«
Francoise baut den Sonnenschirm auf, breitet ein riesiges Handtuch als Liegefläche aus. Dann holt sie eine Kühlbox aus der Tasche hervor und öffnet sie.
Sie reicht Mona eine kalte Flasche Wasser. Gierig trinkt sie.
»Zieh dich aus, hier sieht uns keiner.«
»Aber Rafael?«
»Was ist mit Rafael?«
Mona schluckt den Rest des Satzes runter. »Ach nichts.« Langsam zieht sie sich ihre Sachen aus. Hier kann sie doch niemand beobachten. Welch eine Erlösung. Auch Francoise ist nackt. Ihr fraulicher Körper schimmert bronzefarben im Sonnenlicht. Sie hat eine tolle Haut und herrliche Kurven. Francoise reicht Mona eine aufgeschnittene Frucht.
»Was ist das?«
»Ein Granatapfel. Der erfrischt und ist sehr vitaminreich.«

Mona puhlt mit den Fingern die roten Perlen heraus. Sie sehen aus wie Johannisbeeren, schmecken aber völlig anders. »Köstlich, aber mir ist es trotzdem noch sehr heiß hier.«
»Komm etwas näher, ich werde dich abkühlen.« Mona rutscht an Francoise heran. Die greift in die Kühlbox und holt einen Eiswürfel heraus. Sie beginnt, den Eiswürfel über Monas Gesicht zu streichen.
»Leg dich hin und schließ die Augen«, hört Mona sie sagen. Die angenehme Kühle und die ruhige Ausstrahlung der Frau lassen Mona gehorchen. Sie legt sich auf den Rücken. Francoise fährt mit den Eiswürfeln über Monas nackten Körper. Mona genießt diese zarten Berührungen sehr. Ihr wird auf einmal bewusst, dass Rafael sie noch niemals so zärtlich verwöhnt hat. Als Francoise plötzlich in Regionen vordringen will, die sehr intim sind, richtet Mona sich auf. »Bitte nicht.«

Francoise lächelt sie an. »Jetzt darfst du mich abkühlen.« Sie legt sich hin. In der Kühlbox sind noch etliche Eiswürfel. Mona nimmt einen in den Mund und lutscht ihn. Einen anderen nimmt sie in die Hand und lässt ihn sanft über Francoises herrlichen Körper gleiten. Die stöhnt genussvoll.
»Hola!«
Mona reißt sich ein Handtuch vor den Körper. Neben dem Lager steht ein nackter Mann, der nur mit einem Basecap und Sandalen bekleidet ist. Er redet sehr schnell auf Spanisch. Mona versteht kein Wort.
»Kennst du den? Was will er?«, wendet sie sich an Francoise.
»Er will, dass du ihn fotografierst.«
»Wennʼs weiter nichts ist.« Mona zieht sich ihr Kleid über und steht auf. Die Sandalen nicht vergessen. Der Sand ist heiß. Der junge Mann reicht Mona seine Fotokamera. Er zeigt auf den Kamm der Düne. Sie klettern etwa fünf Meter nach oben. Er stellt sich breitbeinig hin, die Arme in den Himmel gestreckt. Mona ist unterhalb von ihm und soll fotografieren.
Sobald das Klicken der Kamera beginnt, regt sich etwas bei ihm und wächst zu gewaltiger Größe heran. Mona wird es peinlich.
Sie streckt ihm den Apparat entgegen, er kommt etwas tiefer neben sie. Er redet etwas von ›amor‹ und wedelt mit einem Gummi vor ihrer Nase herum.

Mona ist fassungslos. Der glaubt doch tatsächlich, dass sie hier mit ihm in den Dünen mal schnell … Sie wirft ihm die Kamera zu und rennt den Sandberg hinab.
»Francoise, der wollte doch tatsächlich …« Aufgelöst lässt sie sich neben Francoise fallen.
»Du bist ein attraktives blondes Wesen. Hier in den Dünen ist es nicht ungewöhnlich, solche Angebote zu bekommen. Hast du das nicht gewusst?«
»Nein.«
Mona schüttelt heftig den Kopf. Wenn das Rafael wüsste. Sie würde ihr blaues Wunder erleben. »Ich will hier weg. Es ist mir zu heiß. Bitte, Francoise, lass uns jetzt die Häuser ansehen.«
Francoise zieht Mona auf sich.
»Bleib einfach auf mir liegen. Ich lege meine Hände auf deinen Rücken, das wird dich beruhigen.«

Doch Mona macht sich los. »Bitte, Francoise, lass uns jetzt gehen!«
Sie packen ein und stapfen durch den heißen Sand zurück. An der Strandpromenade angekommen, fällt Monas erster Blick auf die Temperaturanzeige. Vierunddreißg Grad sind es, und die Uhr springt auf 14:30 Uhr. Sie laufen zu Francoises Auto.
»Wohin fahren wir?«
»Nach El Tablero, dort habe ich zwei Objekte zu verkaufen.«
Francoise reicht Mona eine Flasche Wasser, die zwischenzeitlich lauwarm ist. In Francoises Auto herrschen gefühlte siebzig Grad. Das Auto ist ein uralter Ford ohne Klimaanlage. Der Fahrtwind zerzaust Monas Haare, bringt aber keine Abkühlung. Sie fahren verschachtelte Straßen durch Playa del Inglés, vorbei an vielen Touristenanlagen und Hotels. Auf einmal bleibt Mona fast das Herz stehen.
»Stopp!«, schreit sie hysterisch. Sie sieht auf der anderen Straßenseite vor einem Hoteleingang, wie ein dunkelhaariger Mann im Anzug einer blonden Frau im Minirock den Arm und die Taille legt und diese an sich zieht. Dieser Mann ist Rafael…..

© Esteva Hara

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