Begegnung mit der Absurdität

Strahlend blau spannt sich der Himmel über das weite Land. Die Sonne schickt ihre warmen Strahlen auf den Frühjahrsboden. Mein Weg führt über die Felder. Die geschwungene Landschaft wird begrenzt von teils noch kahlen, teil schon frisch belaubten Bäumen am Wegrand und am Horizont. Es duftet kräftig nach Frühling. Die Vögel zwitschern. Manche versammeln sich auf dem warmen Feldboden und picken nach Würmern und Käfern. Andere tanzen fröhlich gemeinsam am Himmel herum über ein nahes Rapsfeld, in das sich fast unbemerkt ein Fuchs schleicht.

Langsam laufe ich den Feldweg entlang. Weit zieht sich der Weg, ich genieße und atme die frische Feldluft ein. Dann lasse ich mich nieder, setze mich auf ein warmes Grasstück am Feldrand.

Ich schaue in die weite, sonnige Landschaft. Ein lauwarmes Lüftchen weht um meine Nase. Es fühlt sich wunderbar an. Ich genieße diesen friedlichen Moment sehr. Wie schön ist es, die Geräusche der Natur wahrzunehmen, das Streichen des Windes, das Zwitschern der Vögel, das Rascheln der trockenen Blätter, die noch vom letzten Herbst an manchen Bäumen verblieben sind.
Doch die Stille der Landschaft wird plötzlich unterbrochen durch ein seltsames Brummen, welches immer näher und näher kommt.

Ich erhebe mich und schaue. Es ist ein Traktor, der auf die frischen Sprossen des Feldes Giftkugeln wirft, um Insekten und unerwünschtes Kraut zu vernichten. Sofort kommen mir Bilder von kranken Tieren. Bilder, die zeigen, dass das aus diesem Getreide später gebackene Brot mit chemischen Vernichtungsmitteln verseucht ist. Bilder, die verseuchtes Grundwasser zeigen, welches wiederum zu Trinkwassergewinnung genommen wird.

 

Bilder, die Tiere zeigen, die mit Medikamenten vollgepumpt sind, um zu kompensieren, dass sie vergiftetes Futter gefressen haben und so krank geworden waren. Bilder, die Theken voller Fleisch zeigen, welches nie alles verkauft werden kann, weil niemand so viel essen kann. Tiere werden geschlachtet, in die Fleischtheken gebracht und dann vernichtet. Bilder, von verhungernden Kindern, die nichts von all dem Wahnsinnsüberfluss je zu Gesicht bekommen, geschweige denn zu essen hatten. Ich versuche diese Bilder wegfliegen zu lassen, doch andere Bilder kommen.

Bilder von Menschen mit verordneten Masken vor Mund und Nase, die einen weiten Bogen umeinander laufen, wegen dem Abstandsgebot und sich über Abstand erzählen, dass ja ab sofort wieder Tantramassagen gegeben werden dürfen.


Welch eine Absurdität…

Langsam begebe ich mich auf den Rückweg. Weggeworfene Ölfässer, ein kaputter Klappstuhl, ein alter Staubsauger, Hausmüll an der nächsten Feldecke, kaputte Schnapsflaschen auf dem Weg, das alles fällt mir jetzt noch umso mehr auf.

Die Reinheit, Klarheit, die Stille,die Schönheit, die Liebe zum Leben, zur Natur, zu allen Wesen, die Glückseligkeit leben in meinem Herzen, leben in mir, sind Bestandteil der gesamten Schöpfung.

Doch ich kann und werde nie die Augen vor den anderen Bildern verschließen und immer wieder darauf hinweisen, um vielleicht andere Augen zu öffnen und Bewusstheit zu bewirken für die Erhaltung und Bewahrung der Gesundheit und des Friedens des Planeten, auf dem du, er, sie, es, wir, ich leben.

Esteva Hara 04052020

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